So nährt man Politikverdrossenheit

Die EU-Kommission legt einen Vorschlag für die Fangmöglichkeiten 2019 in der Ostsee vor. Für die Angler ist das Ergebnis enttäuschend.
Die EU-Kommission legt einen Vorschlag für die Fangmöglichkeiten 2019 in der Ostsee vor. Für die Angler ist das Ergebnis enttäuschend.

Es kam wie vom DAFV erwartet. Die EU Kommission hat am 31.08.2018 den Vorschlag über die Fangmöglichkeiten in der Ostsee für das Jahr 2019 veröffentlicht. Ginge es nach der Europäischen Kommission, soll im nächsten Jahr das Tagesfanglimit für Angler nicht verändert werden. Obwohl der International Council for the Exploration of the Sea (ICES) eine Quotensteigerung von deutlich über 100 % für den westlichen Dorsch als vertretbar erachtet, ist die Kommission dieser Empfehlung nicht gefolgt. Lediglich einen Anstieg von 31 % wurde für die Berufsfischer im nächsten Jahr beim Westdorsch vorgeschlagen.

Das Bag-limit (Tagfanglimit) soll bei 5 Fischen für die Angler unverändert bleiben, einzig die zusätzliche Beschränkung für den Fang von 3 Dorschen während der Schonzeit ist in dem aktuellen Vorschlag nicht mehr enthalten. Aus Sicht des DAFV wäre insbesondere die Einhaltung einer Schonzeit für Dorsche während der Laichzeit - anstatt eines restriktiven Tagfanglimits - ein adäquates Mittel die Bestände zu schonen.

So nährt man Politikverdrossenheit

Die Einführung des so genannten Bag-Limits für Freizeitangler beim westlichen Dorsch im Jahre 2017 hatte ein wesentliches Ziel: Den Bestand wiederaufzubauen, ihn zu sichern, um eine nachhaltige Bewirtschaftung zu gewährleisten.

„Diesen Beitrag haben wir geleistet. Das streitet keiner ab. Die Angler nun an der Erhöhung der Quoten nicht analog beteiligen zu wollen ist ein starkes Stück. Mit der Einführung des Tagfanglimits wurde an die Solidarität zu den Berufsfischern und das Verantwortungsbewusstsein der Angler appelliert mit der Aussicht, die Einschränkungen im Zuge einer Bestandserholung zurückzunehmen. Wenn die Europäische Kommission der Meinung ist, man kann die Angler nun im Nachgang um ihren verdienten Beitrag prellen, dann wird sie auf massiven Widerstand stoßen. Das im Nachgang vorgeschobene Argument, man wolle Anglern keinen Anreiz geben Fische zu verkaufen ist völlig absurd. Das ist und war nie ein Problem der Ostseedorschbestände. So nährt man Politikverdrossenheit. Im Hinblick auf die Europawahlen im Mai 2019 sollte die EU eigentlich mehr Sensibilität an den Tag legen“, so die Präsidentin den DAFV, Dr. Christel Happach-Kasan.

Breite Unterstützung aus Wissenschaft, Politik und Verbänden

Eine analoge Erhöhung des Tagfanglimits zu einer Erhöhung der Quoten für die Berufsfischerei wäre einzig folgerichtig. In dieser Vorgehensweise sind sich die Wissenschaftler vom Thünen Institut, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und der DAFV einig. Auch die Berufsfischer haben sich jüngst auf dem Deutschen Fischereitag in Lübeck mit den Anglern in dieser Frage solidarisch erklärt.

Die Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat dem DAFV bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Auch unsere betroffenen Partnerverbände aus Dänemark und Schweden haben sich der Position angeschlossen.

Da es sich bei dem aktuellen Beschluss nur um einen Vorschlag handelt, sind die jetzt folgenden Gespräche zwischen den Entscheidern aus Deutschland und Brüssel richtungsweisend.
Letzte Änderung am Dienstag, 04 September 2018 16:32
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