Gewässer- und Naturschutz

Klarer Kurs – Naturschutz?

Ein Kommentar von Alexander Seggelke (Geschäftsführer des Deutschen Angelfischerverbandes e.V. (DAFV)) zum Deutschen Naturschutztag 2018
Ein Kommentar von Alexander Seggelke (Geschäftsführer des Deutschen Angelfischerverbandes e.V. (DAFV)) zum Deutschen Naturschutztag 2018 Foto: DAFV, Olaf Lindner

Naturschutz boomt! Mit 1200 Anmeldungen ein neuer Teilnehmerrekord auf dem Deutschen Naturschutztag, oder wie man kurz sagt DNT. Der Zuwachs an jungen Enthusiasten ist groß. Alle wollen der Natur helfen. Sie retten, sie sichern und vor allem sie beschützen. Naturschutz eben!

Alles muss Nachaltig

Und das ganze am besten nachhaltig, unbedingt nachhaltig. Nachhaltigkeit wird überall großgeschrieben. Dabei kann doch eigentlich keiner diesen verwässerten Begriff mehr richtig einordnen. Alles muss nachhaltig sein. Gibt es eigentlich in unserer heutigen Zeit etwas mit einer derartig inflationären Verwendung, wie Nachhaltigkeit. Die Bewirtschaftung der Fischbestände genauso wie der Tourismus oder die Seelsorge. Alles nachhaltig.

Ein Begriff aus der Forstwirtschaft

Es war sicherlich keine mathematische Meisterleistung, aber eine durchaus gute Erkenntnis, dass uns irgendwann zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Begrenztheit von Ressourcen aufgefallen ist; dass es eng wird, wenn auf Dauer mehr aus der Natur entnommen wird, als nachwachsen kann. Ein Hoch auf die Forstwirtschaft! Und weil es so einfach und logisch ist, haben schlaue Leute daraus gleich noch eine ganze Wissenschaft gemacht. Drei Säulen kreiert, jede für sich stehend, aber gerne auch untereinander verknüpft. Also ein Nachhaltigkeitskuddelmuddel aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem. Kein Wunder, dass man hier irgendwann den Überblick verliert. Apropos Überblick. Den brauchet man unbedingt für einen klaren Kurs im Naturschutz. Also eindeutige Koordinaten, sozusagen ein Ziel und eine unmissverständliche Vorgabe für die Zeit zwischen Aufbruch und Ankunft. Aber haben wir das nicht schon längst? Klarer Kurs – Naturschutz.

Zum Beispiel die Richtlinie 2000/60/EG auch genannt Wasserrahmenrichtlinie. Im Jahre 2000 eingesetzt mit dem Ziel bis 2015 unsere Gewässer in einen …und so weiter... Über die zweite Bewirtschaftungsperiode bis 2021 spricht eigentlich schon keiner mehr. Warum auch, selbst die letzte Zielvorgabe, den gute ökologischen Zustand der Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 zu erreichen, ist bereits jetzt eine Wunschvorstellung. Dabei war der Kurs doch eigentlich klar. Oder doch nicht? Wer die Hoffnung nicht aufgegeben hat und einen Beitrag zum Erhalt der Wasserrahmenrichtlinie beisteuern will, kann das in der aktuellen Kampagne #ProtectWater tun.

Svenja Schulze aus dem Netz

Wie dem auch sei, der Bundesumweltministerin Svenja Schulze gefällt das Motto des diesjährigen 34. DNT außerordentlich gut, wie sie über Videotelefonie der versammelten Naturschützermasse im Audimax der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel übermittelt. Das Auditorium lauscht gespannt ihren Worten . Einige sind vielleicht sogar ein bisschen begeistert, was die Technik von heute alles möglich macht. Von Zeit zu Zeit ruckelt das Bild, aber die Ministerin ist gut zu verstehen. Nein, Frau Schulze ist nicht vor Ort. Kein unnötiger Arbeitsaufwand. Warum auch, die Ministerin überbringt ihre Worte eben nachhaltig. Da ist es schon wieder. In ihrer Rede sind es nicht gerade die natur- und umwelttechnischen Leichtgewichte, die sie als Kernstücke ihrer zukünftigen Arbeit herausgepickt hat. Wie auch. Neben dem Artenschutz, der Sicherung von biologischer und genetischer Vielfalt, kommt man an den Themen Meeresmüll und Klimawandel halt nicht vorbei. All das sind die Herausforderungen, denen sich der Naturschutz in den nächsten Jahren stellen muss. Ich vermisse in ihrer Ausrichtung Worte wie „guter ökologischen Zustand“ o.ä. Den Kurs von 2000. Die Wasserrahmenrichtlinie scheint vom Radar verschwunden zu sein. Kursänderung? Oder war der Kurs vorher nicht wirklich klar und deshalb ein Umdenken? Wie dem auch sei, so ist sie eben, unsere schnelllebige Zeit von heute.

Naturschutz im Schatten der Ideologien

Naturschutz ist längst kein naturwissenschaftliches Gewächs mehr. Subjektive Wahrnehmungs- und Bewertungseinflüsse haben den Naturschutz zu einem humanökologischen Ideologiewust ausufern lassen. Naturschützer haben eigene Vorstellungen anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen und einem persönlichen Wertebild erstellt; diese für sich kategorisiert, bewertet und analysiert. Es werden Soll und Ist-Zustände in der Natur miteinander verglichen und die Effektivität anhand sogenannter Naturschutzmaßnahmen gemessen. Die Natur, mit ihrer Vielfalt, ihrer Schönheit und mit ihren Erholungsmöglichkeiten, hat einen eigenen Wert bekommen.

Unverfälschte Natur soll berechenbar werden

Man betrachtet die Natur heute in Zahlen und Fakten, geht nach Datenbögen und Listen vor. Vielfach abstruse mathematische Formeln spiegeln den Handlungsbedarf für den Naturschutz wieder. Bürokratische Anforderungen, die längst ausufernde Züge angenommen gaben. Da ist es nicht verwunderlich, dass Diskussionen über Leitbilder, daraus abgeleitete Maßnahmen, aber auch die politische Umsetzung von Naturschutz, die „Naturschützer“ untereinander auseinanderdriften lassen. Und obwohl sich alle Naturschützer tendenziell in eine Richtung bewegen wollen, lassen Zweifel und Ideologien sie über den „richten“ Weg, oder eben Kurs streiten.

Allgemeinpositionen ...

Jedem leuchtet es ein, wenn der Umweltminister aus Schleswig-Holstein in seiner Rede auf dem DNT deutlich macht, dass über 12 Mio. Tonnen Plastikmüll und diffuse Nährstoffeinträge in unsere Gewässer ein großes Problem darstellen. Das zustimmende Nicken im Publikum mündet gar in einem gemeinschaftlichen Applaus als Minister Jan Philipp Albrecht gut pointiert an dieser Problematik zukünftig verstärkt ansetzen möchte. Ein klarer Kurs eben. Der Nerv der Gruppe der Naturschützer ist getroffen. Man fühlt förmlich die politische Rückendeckung. Ach, wäre es doch nur so einfach. Eine Gruppe, ein Strang und dann auch noch alle an einem Ende…

... funktionieren nur bedingt

Aber wenn ein Angelverein einen See anpachtet, z.B. eine stillgelegte Kiesgrube, diesen hegt und pflegt und sich dann im Laufe der Jahre eine Tierwelt ansiedelt, die auf Grund von Listen eine naturschutzfachliche Handlung erfordern und mitunter eine Nullnutzung gefordert wird, dann wird aus einem monotonen Nicken der Gruppe der Naturschützer, schnell ein Ziehen und Zerren. Für die einen hat die Natur ein maßnahmenbedürftiges Kleinod mit einer sensiblen Biozönose ausgebildet, für die anderen ist mit ihrer Anwesenheit und durch ihre Arbeit vor Ort ein naturnahes Revier unter der Nutzung des Angelns entstanden. Angler haben die Gewässer in Deutschland schon gehegt und gepflegt, bevor das Wort "Naturschutz" überhaupt erfunden wurde. Viele wertvolle Naturschutzgebiete haben sich mit und nicht trotz der Nutzung von Anglern entwickelt. Die Angler nun aus diesen Gebieten unter dem Deckmantel des Naturschutzes auszusperren, ist eine Entwicklung die viele Menschen an der Sinnhaftigkeit von Naturschutz zweifeln lässt. Es sind vor allem die Argumente - bzw. fehlenden Argumente - mit denen solche Maßnahmen begründet werden. Und genau an dieser Stelle verkommt der Naturschutz zu einer Ideologie.

In Zeiten, in denen die offene Kommunikation unter den Naturschützern wichtig ist und der Sprung über den eigenen Schatten keine sportliche Meisterleistung darstellt, wünsche ich uns einen Klarer Kurs – Naturschutz. Mit dem Menschen und für die Natur.
Letzte Änderung am Mittwoch, 07 November 2018 16:35
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