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Angler im Gewässer – die Studie zeigt, dass Angeln keine spezifischen Störeffekte auf die Natur hat. Foto: Florian Möllers
Angler im Gewässer – die Studie zeigt, dass Angeln keine spezifischen Störeffekte auf die Natur hat. Foto: Florian Möllers

Der Deutsche Angelfischerverband e. V. (DAFV) hat Dr. Malwina Schafft für ihre herausragende Dissertation mit dem DAFV-Förderpreis 2025 ausgezeichnet. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt ihre Doktorarbeit „Recreation ecology: impacts of recreational angling and other water-based activities on freshwater biodiversity", die am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) unter Betreuung von Prof. Dr. Robert Arlinghaus entstand. Die feierliche Verleihung des Preises findet im Rahmen der DAFV-Jahreshauptversammlung am 11. Juli 2026 in Berlin statt, bei der Dr. Schafft ihre Forschungsergebnisse persönlich vorstellen wird.

Unsere Flüsse, Seen und Kanäle sind nicht nur zum Angeln beliebte Orte, um vom Alltag abzuschalten. Die Ufer laden zum Spazieren ein. Im Sommer zieht das kühle Nass Badegäste und Boote an, und verschiedenste Wassersportarten, wie Wasserski, Wakeboarden oder Stand-up-Paddling erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Wissenschaftliche Grundlage: Das Störbagger-Projekt

Wie sich diese mitunter sehr intensive Freizeitnutzung auf die Gewässer als Lebensraum von Pflanzen und Tieren auswirken kann und welche Rolle dabei die Angelfischerei spielt, wurde von Dr. Malwina Schafft in ihrer Doktorarbeit am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) unter Betreuung von Prof. Dr. Robert Arlinghaus umfassend untersucht. Das sogenannte Störbagger-Projekt, in dessen Rahmen die Doktorarbeit angefertigt wurde, wurde von drei Landesanglerverbänden aus Niedersachsen, Sachsen und Bayern finanziert. Grundlage der Doktorarbeit ist eine umfassende Auswertung weltweiter Studien sowie eigene Untersuchungen zur Wirkung der anglerischen Hege sowie der anglerischen Gewässernutzung an unterschiedlich stark freizeitlich genutzten Baggerseen. Baggerseen dienten als Modellgewässer, weil dieser Gewässertyp eine ähnliche Entstehungsgeschichte hat und es hier auch Gewässer ohne angelfischereiliche Nutzung gibt. Die Ergebnisse der Doktorarbeit können aber auf andere Gewässertypen übertragen werden.

Warum der Fokus auf die Angelfischerei?

Warum wurde in der Doktorarbeit ein Fokus auf die Angelfischerei gelegt? Zwei Gründe spielen eine Rolle. Erstens sind Angler nicht nur Nutzer, sondern auch Bewirtschafter von Gewässern. Zweitens sehen manche Personengruppen und Naturschutzorganisationen Anglerinnen und Angler als besonders starke Gewässerstörer an. Das Angeln soll nach früheren vogelkundlichen Arbeiten aus Bayern vor allem (brütende) Wasservögel erheblich stören, z. B. weil Angler:innen häufig und gerne auch sehr lange am Wasser verweilen. Und diese besondere Störwirkung begründet auch manchmal Gewässereinschränkungen, die isoliert nur für Angler:innen gelten.

Wasservogel-Gelege im Schilfgürtel eines Baggersees – geschützte Uferzonen sind entscheidend für den Bruterfolg. Foto: Robert Nikolaus

Keine spezifisch anglerischen Störeffekte nachweisbar

Die von Dr. Schafft durchgeführte umfangreiche Analyse zeigt jedoch: Alle Freizeitaktivitäten an Gewässern können ökologische Spuren hinterlassen, besonders dort, wo Ufer stark betreten werden oder intensiver Bootsverkehr stattfindet. Es fanden sich keine spezifisch anglerischen Störeffekte auf die Gewässerumwelt. Oder anders ausgedrückt – dem Wasservogel ist es schnuppe, ob er vom Badegast oder vom Angler gestört wird. Zu viel ist zu viel. Schlimmer als auf Menschen reagieren Wasser- und Singvögel auf freilaufende Hunde. Diese haben der Studie zufolge einen deutlich negativeren Effekt als die Präsenz der Menschen.

Isolierte Angelverbote sind wirkungslos

Die durchgeführte Meta-Studie von Dr. Schafft zeigte eindrücklich, dass isoliert auf Angler ausgerichtete Schutzmaßnahmen (z. B. Ausschluss des Zugangs in Naturschutzgebieten) naturschutzfachlich wirkungslos sind, solange andere Freizeitnutzungen toleriert werden. Auch zeigte die Studie – die Wirkungen der Freizeitnutzung auf die biologische Vielfalt an den Gewässern wird stärker von allgemeinen Umweltfaktoren (z. B. Nährstoffgehalt, Gewässermorphologie) beeinflusst als von der freizeitlichen Gewässernutzung. Ausnahmen bilden ausgewiesene, hochintensiv genutzte Freizeitseen.

Boote und Ufernutzung stören am stärksten

Beim Vergleich der verschiedenen Nutzungsformen wurde deutlich, dass Boote sowie die nichtanglerische Ufernutzung (z. B. Spazieren) im Durchschnitt die negativsten ökologischen Effekte auf die verschiedenen Gewässerorganismen auslösten. Wichtiger als eine isolierte Aktivität ist aber vielmehr, wie häufig, wie gebündelt und in welchen Bereichen eines Gewässers die Freizeitnutzung stattfindet. Sensible, zuvor nicht begangene Flachwasserzonen reagieren deutlich empfindlicher als bereits stark veränderte Uferabschnitte. In einer Studie zeigte sich, wie positiv sich von Angelvereinen eigenständig eingerichtete Schutz- und Ruhezonen insbesondere auf die Ufervegetation, die Singvogelbestände aber auch die Fische auswirken, wenn diese Zonen gänzlich frei bleiben von jeder Form des menschlichen Zugangs. Entscheidend auch die Erkenntnis, dass solche Zonen von Angelvereinen selbständig angelegt werden, es also eine hohe Selbstmotivation bei Angelvereinen gibt, Schutz und Nutzung in Einklang zu bringen.

Jugendliche beim Baden und Grillen am Sandstrand eines Baggersees im Sommer
Sommerliche Freizeitnutzung an einem Baggersee: Baden, Grillen und Schlauchboote – die Studie belegt, dass nichtanglerische Ufernutzung besonders starke ökologische Auswirkungen hat. Foto: Florian Möllers

Pflanzen und Wirbellose sind am stärksten betroffen

In der Vergangenheit lag der Fokus in der Forschung zur Störungswirkung von Freizeitnutzung auf Vögeln. Die Arbeit von Dr. Schafft zeigt indessen, dass die stärksten ökologischen Effekte nicht auf Vögel, sondern auf Pflanzen und wirbellose Tiere wie Insektenlarven oder Muscheln wirken. Denn diese sind meist nicht mobil und reagieren besonders empfindlich auf zerstörte Uferstrukturen, Trittschäden, Wellenschlag und die Aufwirbelung von Sediment. Insbesondere wenn durch starke Freizeitnutzung Unterwasserpflanzen verschwinden, können essenzielle Lebensräume verloren gehen und sich die Artenzusammensetzung verschieben.

Anglerische Hege fördert Artenreichtum bei Fischen

Beim Vergleich von anglerisch gehegten und nicht gehegten Baggerseen zeigten sich aber keinerlei Unterschiede in der Artenzahl bei einer Reihe von Organismengruppen. Bei den Fischen waren anglerisch gehegte Gewässer sogar artenreicher. Nur bei den Amphibien wirkte die anglerische Hege artenzahlreduzierend. Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass die anglerische Hege und damit verbunden die anglerische Gewässernutzung sich nicht nennenswert auf die Biodiversität auswirkt. Auch die häufig unterstellte negative Wirkung des Angelns auf Vogelpopulationen ließ sich pauschal nicht bestätigen. Häufig liegen Angelgewässer in bereits stark vom Menschen gestörten Landschaften, sodass störungssensible Vogelarten bereits ohne die Angler rückläufig sind oder gar fehlen.

Ein differenziertes Bild für die Angelfischerei

Für das Angeln ergibt sich aus der Studie ein differenziertes Bild. Unter ungünstigen Bedingungen – etwa bei hoher Nutzungsdichte, vielen Zugangsstellen und gestörten Ufern – kann auch das Angeln zur Verschlechterung von Lebensräumen beitragen. Gleichzeitig zeigt die Arbeit jedoch, dass anglerisch bewirtschaftete Gewässer oft intensiv gepflegt werden: Strukturverbesserungen, Hege, der Erhalt von Ufervegetation, die Einrichtung von Schutz- und Ruhezonen auf Teilen der Gewässer und ein wachsames Auge der Vereine tragen dazu bei, dass Seen trotz Nutzung durch Angler:innen eine hohe Artenvielfalt behalten. Entscheidend ist die „gute fachliche Praxis" – also ein bewusst naturverträgliches Management von Besatz, Pflege und Zugang.

Erdkröte sitzt auf Totholz in der Flachwasserzone eines Baggersees zwischen Schilfhalmen
Erdkröte auf Totholz in der Flachwasserzone eines Baggersees – Amphibien gehören zu den empfindlichsten Bewohnern dieser Lebensräume. Foto: Robert Nikolaus

Konkrete Empfehlungen für Praxis und Politik

Aus ihren Ergebnissen leitet Dr. Schafft konkrete Empfehlungen ab. Erstens sind isoliert auf Anglerinnen und Angler ausgerichtete Schutzbemühungen, wie z. B. der Verbot des Anglerzugangs in Naturschutzgebieten, problematisch. Nutzungseinschränkungen sollten alle Freizeitnutzungen mitdenken und im Einzelfall evidenzbasiert entschieden werden. Innerhalb der Angelvereine ist die fischereiliche Bewirtschaftung an den Prinzipien der guten fachlichen Praxis auszurichten, was Besatz und Entnahmebeschränkungen sowie andere Maßnahmen angeht. Es ist ratsam, wenn Angelvereine empfindliche Uferbereiche und Flachwasserzonen schützen (z. B. über Ruhe- und Schutzzonen) und die Gewässer zoniert bewirtschaftet werden, sodass Nutzungsstrecken und vom Menschen nicht begangene Ruhezonen mosaikartig angelegt werden. Es ist Rücksicht zu nehmen auf Brut- und Schonzeiten, pflegliche Behandlung der Ufer sowie den Erhalt von Wasserpflanzen. Fischbesatz mit nicht heimischen Arten sollte stets unterbleiben und ein Fokus gelegt werden auf die Wiederherstellung der Habitate.

Erholung und Naturschutz gehören zusammen

Die zentrale Botschaft der Arbeit: Erholung am Wasser und der Schutz der biologischen Vielfalt schließen sich nicht aus – sie erfordern aber kluges Management und ein Verantwortungsbewusstsein aller Nutzergruppen. Die Doktorarbeit von Malwina Schafft bietet eine wichtige Grundlage für eine sachliche Diskussion über die Rolle der Angelfischerei im Spannungsfeld zwischen Freizeitnutzung, Gewässerbewirtschaftung und Naturschutz. Sie räumt mit einer Reihe von Vorurteilen zur Störwirkung des Angelns auf und bricht eine Lanze für ein modernes sozial-ökologisches Gewässermanagement, das sowohl den Schutz als auch die Nutzung von Fischen und Gewässern mitdenkt. Angelvereine sind als Gewässerbewirtschafter in diesem Zusammenhang zentrale Akteure, die helfen, die Nutzung der Gewässer zum Angeln mit Ansprüchen des Natur- und Umweltschutzes in Einklang zu bringen.

Quellen

Die Doktorarbeit ist einsehbar unter: https://doi.org/10.18452/30903 und ist konzipiert aus folgenden Teilstudien:

Einfluss unterschiedlicher Freizeitaktivitäten auf die Biodiversität – globale Meta-Analyse:
Schafft, M., Wegner, B., Meyer, N., Wolter, C., & Arlinghaus, R. (2021). Ecological impacts of water-based recreational activities on freshwater ecosystems: A global meta-analysis. Proceedings of the Royal Society B, 288(1959), 20211623.

Einfluss nicht-angelnder Ufernutzungen auf die Biodiversität:
Meyer, N., Schafft, M., Wegner, B., Wolter, C., Arlinghaus, R., Venohr, M., & von Oheimb, G. (2021). A day on the shore: Ecological impacts of non-motorised recreational activities in and around inland water bodies. Journal for Nature Conservation, 64, 126073.

Biodiversität an Baggerseen mit unterschiedlichen Nutzungsintensitäten:
Schafft, M., Nikolaus, R., Matern, S., Radinger, J., Maday, A., Klefoth, T., Wolter, C., & Arlinghaus, R. (202X). Impact of water-based recreation on aquatic and riparian biodiversity of small lakes. Journal for Nature Conservation.

Vergleich der Biodiversität an anglerisch und nicht anglerisch bewirtschafteten Seen:
Nikolaus, R., Schafft, M., Maday, A., Klefoth, T., Wolter, C., & Arlinghaus, R. (2021). Status of aquatic and riparian biodiversity in artificial lake ecosystems with and without management for recreational fisheries: Implications for conservation. Aquatic Conservation: Marine and Freshwater Ecosystems, 31(1), 153–172.

Einfluss von Schutzzonen an anglerisch bewirtschafteten Baggerseen:
Nikolaus, R., Matern, S., Schafft, M., Maday, A., Wolter, C., Klefoth, T., & Arlinghaus, R. (2022). Influence of protected riparian areas on habitat structure and biodiversity in and at small lakes managed by recreational fisheries. Fisheries Research, 256, 106476.

Deutscher Angelfischerverband e.V. (DAFV)

DeutschlandkarteDer Deutsche Angelfischerverband e.V. setzt sich aus Landes- und Spezialverbänden zusammen und vereint rund 9.000 Vereine mit insgesamt über 530.000 organisierten Mitgliedern. Der DAFV ist der Dachverband der Angelfischer in Deutschland. Er ist gemeinnützig und anerkannter Naturschutz- und Umweltverband. Der Sitz des Verbandes ist Berlin. Er ist im Vereinsregister unter der Nummer 32480 B beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg eingetragen und arbeitet auf Grundlage seiner Satzung.

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