Mit der Einführung der Heimatagenda am 16.07.2026 hat Bundesminister Alois Rainer einen Aufschlag gemacht, der eine engere Verknüpfung zwischen der Politik des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und den lokalen sowie regionalen Bedürfnissen der Menschen ermöglicht. Damit erhält das Thema Heimat, das seit dieser Legislaturperiode nicht mehr im Innenministerium angesiedelt, sondern ins Landwirtschaftsministerium gewandert ist, einen neuen Stellenwert. Explizit rücken die räumliche und soziale Identifikation der Menschen in den unterschiedlichen regionalen und lokalen Lebenszusammenhängen in Deutschland in den Vordergrund. Zukünftig sollen die Fachressorts des BMLEH den Aspekt Heimat gezielt berücksichtigen: „Heimaten zu stärken“ wird handlungsleitendes Prinzip in den Themenfeldern Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, Ernährungspolitik und ländliche Entwicklung. Bundesminister Rainer betont: „Ein Grundsatz der Agenda lautet: Wir wollen die Menschen befähigen, in ihren Heimaten selbst wirksam zu sein, also Dinge anpacken und gestalten zu können.“
Der DAFV sieht in der Heimatagenda eine wertvolle Chance für seine Mitglieder. Da Angelvereine und -verbände sich seit jeher um Natur- und Umwelt, Gewässerbewirtschaftung und Hegemaßnahmen kümmern und dabei eine ausgeprägte Kultur der Gemeinschaft und des Ehrenamts pflegen, stehen sie sinnbildlich für den Gestaltungwillen und die Heimatverbundenheit, die Bundesminister Rainer und sein Ministerium im Rahmen der Heimatagenda fördern und mitunter auch prämieren wollen.
Angelvereine als Multiplikatoren: Wie das BMLEH die organisierte Angelfischerei sieht und wo sich Möglichkeiten ergeben
Unmittelbar nach Verkündung der Heimatagenda hat sich der DAFV beim BMLEH mittels einer Presseanfrage erkundigt, wie das Ministerium unter vor dem Hintergrund zentraler Gesichtspunkte der Agenda auf die organisierte Angelfischerei schaut. Ziel dabei war es, anhand von mehreren Fragen eine konkrete Einschätzung aus dem verantwortlichen Haus zu erhalten, inwieweit Angelvereine und -verbände im Rahmen der Agenda gezielt berücksichtigt werden. Dabei spielt auch die Frage nach der Förder- und Unterstützungsfähigkeit von Projekten eine Rolle, die aus der organisierten Anglerschaft heraus entstehen und bereits jetzt höchst wirkungsvoll umgesetzt werden.
Insgesamt hat der DAFV sieben Fragen gestellt und auf alle dieser Fragen eine Antwort erhalten. Da diese Antworten gleichermaßen Wertschätzung, Zuspruch, und Informationsmehrwert hinsichtlich bestehender und neu geschaffener Fördermöglichkeiten sowie Beteiligungsformate beinhalten, möchten wir die Korrespondenz nachstehend allen Mitgliedsverbänden und interessierten Leserinnen und Lesern zur Verfügung stellen:
- Die Heimat-Agenda hebt hervor, dass das gesellschaftliche Miteinander und das Ehrenamt das Fundament lebendiger Heimaten sind. Welche Rolle misst das BMLEH dabei Angelvereinen konkret bei, die Natur-, Gewässer- und Jugendarbeit miteinander verbinden?
Angelvereine spielen eine wichtige Rolle, da sie Natur-, Gewässer- und Jugendarbeit verbinden. Das BMLEH erkennt die Bedeutung dieser Vereine an, da sie Engagement fördern und sichtbar machen. Angelvereine leisten einen wichtigen Beitrag zu Natur-, Gewässer- und Artenschutz, wie etwa durch den Wiederaufbau von Fischbeständen oder die ökologische Aufwertung sowie Hege und Pflege aquatischer Lebensräume. Mit ihrer Jugendarbeit erfüllen sie gesellschaftlich relevante Aufgaben. Angelfischerei leistet auch einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung. Insbesondere für die Küstengebiete und strukturarme Regionen kann z. B. Angeltourismus eine beachtliche Einkommensquelle sein.
- Rund 27 Millionen Menschen engagieren sich laut Agenda ehrenamtlich. Plant das Ministerium spezielle Maßnahmen oder Förderprogramme, die auch ehrenamtliche Angelvereine und Fischereiverbände gezielt unterstützen?
Eine finanzielle Förderung von Projekten ehrenamtlicher Angelvereine und Fischereiverbände ist teilweise aus dem Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) möglich. So können beispielsweise Aalbesatzmaßnahmen, die von Angelvereinen oder Fischereiverbänden durchgeführt werden, mit EMFAF-Mitteln der Länder kofinanziert werden.
Darüber hinaus können Angelvereine und Fischereiverbände die Angebote der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt in Anspruch nehmen, die das BMLEH mit 10 Mio. Euro mitfinanziert. Diese reichen von Service- und Beratungsleistungen über Weiterbildungsmöglichkeiten hin zu finanziellen Fördermöglichkeiten und decken damit ein breites Spektrum an Bedarfen Ehrenamtlicher und Engagierter ab.
- Die Agenda kündigt an, Heimatengagement sichtbarer machen zu wollen. Wie sollen die Leistungen von Angelvereinen – etwa in der Gewässerpflege, beim Artenschutz oder in der Umweltbildung – künftig stärker öffentlich anerkannt werden?
Das BMLEH plant u. a. durch regelmäßige Heimat-Dialoge, Wettbewerbe, den Bundespreis Heimatengagement sowie gezielte Öffentlichkeitsarbeit, das Heimatengagement sichtbarer zu machen. Dabei arbeitet das BMLEH eng mit Akteuren auf allen Ebenen zusammen, um das ehrenamtliche Engagement zu stärken und öffentlich zu würdigen. Konkrete Maßnahmen zur Freizeitfischerei sind aktuell nicht geplant und liegen darüber hinaus in der Zuständigkeit der Länder.
- Das BMLEH möchte mit generationsübergreifenden Heimatdialogen vor Ort präsent sein. Werden Vertreterinnen und Vertreter der organisierten Angelfischerei in diese Dialogformate ausdrücklich einbezogen?
Den organisierten Vertreterinnen und Vertretern der Angelfischerei steht die Teilnahme an Heimat-Dialogen des BMLEH frei, da diese allen Bürgerinnen und Bürgern in den jeweiligen Regionen offenstehen. Zudem können Vertreterinnen und Vertreter der organisierten Angelfischerei konkrete Vorschläge für Arbeitsformate zu relevanten Themen im Zuständigkeitsbereich des BMLEH einreichen. Die Durchführung solcher Dialoge wird dann in Abhängigkeit von verfügbaren Ressourcen geprüft.
- Die Agenda spricht von gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land. Welche Bedeutung misst das Ministerium Angelvereinen als sozialem Treffpunkt insbesondere in ländlichen Räumen bei?
Das BMLEH erkennt die Bedeutung von Angelvereinen als soziale Treffpunkte insbesondere in ländlichen Räumen an. Die Heimat-Agenda setzt konkret an Ihrem Lebensumfeld an und unterstützt Begegnungsräume in Ihrem Ort, um gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu fördern. Angelvereine tragen durch ihre Aktivitäten zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei und sind somit ein wichtiger Bestandteil der ländlichen Entwicklung.
- Im Rahmen des angekündigten Bundespreises Heimatengagement: Können sich auch Angelvereine mit Projekten zur Jugendarbeit, Inklusion oder Gewässerentwicklung bewerben, und nach welchen Kriterien werden solche Projekte bewertet?
Auch Angelvereine können sich mit Projekten beim Bundespreis-Heimatengagement bewerben. Mit dem Bundespreis Heimatengagement werden Vereine und Initiativen gewürdigt, die mit ihrem Heimatengagement eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der regionalen Identität sowie des Ländlichen Raumes zum Ziel haben.
Berücksichtigt werden die kulturelle, soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeitsdimensionen, die sich abbilden z. B. durch:
- den Erhalt des kulturellen Erbes, die kulturelle Bildung, kulturelle Bereicherung in der Region und Stärkung der regionalen Identität (kulturell),
- die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des generationsübergreifenden Miteinanders, die Entwicklung von Perspektiven für Kinder und Jugendliche, integrative und inklusive Projekte, die Förderung der Kommunikation durch Dialog und Begegnung untereinander sowie erfolgreiche Bürgerbeteiligungsprozesse (sozial),
- die Erhaltung und Weiterentwicklung der Kulturlandschaft und damit der Landschaftsqualität, der regionalen Attraktivität und Vielfalt oder durch die Bildung für Nachhaltigkeit (ökologisch),
- die Unterstützungen für regionale Wertschöpfungskreisläufe, Einrichtungen wie Dorfläden, energieautarke Systeme u. a. (ökonomisch).
Wichtige weitere Kriterien sind, dass das Heimatengagement primär ehrenamtlich getragen wird und auf Verstetigung angelegt ist sowie auch Kinder, Jugendliche und junge Menschen adressiert.
- Die Agenda versteht Heimatpolitik als partnerschaftliche Gemeinschaftsaufgabe. Welche Rolle sollen die bundesweiten Angelverbände künftig als zivilgesellschaftliche Partner bei der Umsetzung der Heimat-Agenda spielen?
Die bundesweiten Angelverbände können als zivilgesellschaftliche Partner eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Heimat-Agenda spielen. Das BMLEH versteht Heimatpolitik als demokratische Gemeinschaftsaufgabe und möchte die Menschen befähigen, in ihren Heimatregionen selbst wirksam zu sein. Angelverbände können durch ihre Aktivitäten und Initiativen dazu beitragen, das gemeinschaftliche Engagement zu stärken.
Engagement der Angelvereine und -verbände lohnt sich doppelt: Sichtbarkeit steigt, Förderung winkt
Heimatdialoge und Sichtbarkeit: Der doppelte Mehrwert der Teilnahme
Aus Sicht des DAFV eröffnet die Heimatagenda Angelvereinen und -verbänden zunächst einen Zugang zu mehr öffentlicher und politischer Wahrnehmung. Die übergreifenden Heimat-Dialoge sind vom BMLEH als integrative Maßnahme konzipiert. Sie stehen allen Bürgerinnen und Bürgern offen und damit auch Vertreterinnen und Vertreter der organisierten Angelfischerei. Wer hier seinen Verein oder Verband aktiv einbringt und eigene Vorschläge für Arbeitsformate zu Themen im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums unterbreitet, kann nicht nur eigene Projekte voranbringen, sondern auch die Fähigkeit zur vertrauensvollen Zusammenarbeit mit politischen Akteuren unter Beweis stellen. Gleichzeitig kündigt das BMLEH an, Heimatengagement durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit sichtbarer zu machen. Für Angelvereine und -verbände bedeutet das einen doppelten Mehrwert: Wer sich in Heimatdialogen einbringt und die eigenen Projekte in Natur-, Gewässer- und Jugendarbeit sichtbar macht, stärkt damit die Anerkennung der eigenen Arbeit vor Ort, kann seine überregionale Sichtbarkeit ausbauen und erhöht zugleich die Chancen auf politische Berücksichtigung in der Zukunft.
Welche Fördermöglichkeiten das BMLEH für Angelvereine benennt
Neben der Aussicht auf mehr Öffentlichkeitswirksamkeit und Renommee für Angelvereine und ihre konkreten Projekte eröffnet die Heimatagenda des BMLEH auch konkrete Förderwege. Eine finanzielle Förderung von Projekten ehrenamtlicher Angelvereine und Fischereiverbände ist, wie bislang auch schon, über den Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) möglich. So können etwa Aalbesatzmaßnahmen, die von Angelvereinen oder Fischereiverbänden durchgeführt werden, mit EMFAF-Mitteln der Länder kofinanziert werden. Darüber hinaus steht Angelvereinen und -verbänden das Angebot der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt offen. Hier ist das BMLEH Zuschussgeber. Angelvereine und -verbände können hier einerseits Beratungs- und Weiterbildungsangebote in Anspruch nehmen und andererseits auch finanzielle Fördermöglichkeiten prüfen lassen. Als dritte Säule, und das ist neu, kommt der Bundespreis Heimatengagement hinzu. Hierfür können sich auch Angelvereine mit Projekten zu Jugendarbeit, Inklusion oder Gewässerentwicklung bewerben können. Bewertet werden dabei kulturelle, soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeitsdimensionen. Wesentliche Voraussetzungen sind ein überwiegend ehrenamtlich getragenes, auf Verstetigung angelegtes Engagement, das auch Kinder und Jugendliche expliziert adressiert.
Fazit: Angelfischerei als nachhaltige Heimatverbundenheit
Wenn die Heimatagenda eines ist, dann ein geeignetes Vehikel für das Anliegen von Angelvereinen und -verbänden, Gewässer und Natur zu bewahren, Gemeinschaft zu stärken, Engagement hochzuhalten und Jugendarbeit erfolgreich zu betreiben. Die bewusste Ausrichtung des Ministeriums auf die Vielseitigkeit der unterschiedlichen Wahrnehmungen und Charakteristika von Heimat in Deutschland ermöglicht es den über 9000 Angelvereinen und den Landesverbänden, die im DAFV organisiert sind, ihre individuellen Vorhaben und Projekte wirksam an die Politik heranzutragen. Der Begriff Heimat fungiert als Türöffner, über den politische Akzeptanz erzielt, öffentliche Sichtbarkeit gesteigert und finanzielle Mittel erschlossen werden können.
